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  • Juliane Echternkamp

„Die Beschäftigung mit Achtsamkeit hat dazu geführt, dass ich meine Passion wiedergefunden habe.“


Durch ein internes Führungskräfte-entwicklungsprogramm bei Bosch, bei dem Achtsamkeit den roten Faden bildet, ist Christiane Kurz das erste Mal mit dieser Methode in Berührung gekommen. Warum sie dafür Feuer gefangen hat und mittlerweile selbst Meditationsrunden, erfährst du in diesem Interview.


Christiane, als du dich zu dem Führungskräfteentwicklungsprogramm angemeldet hast, wusstet du, dass Achtsamkeit darin eine groβe Rolle spielen würde?

Ich wusste, dass Achtsamkeit dabei ist, aber deswegen habe ich mich nicht dazu angemeldet. Mit Achtsamkeit hatte ich mich vorher kaum beschäftigt, ich wollte mich einfach als Führungskraft weiterentwickeln. Im Nachhinein fand ich es aber umso interessanter, dass mich genau dort das Thema so angezündet hat. Da habe ich Mindfulness kennen und lieben gelernt!


Was genau hat dir daran so gefallen?

Zuerst einmal fand ich das Set-up beeindruckend. Ich war in einer groβen Gruppe mit hundert anderen Führungskräften. Nach einer Pause kamen wir in den Raum zurück und da lagen wirklich hundert Meditationskissen auf dem Boden. Dann haben wir eine erste Meditation gemacht, vielleicht so zwei oder drei Minuten lang, aber ich fand es sehr beeindruckend, wie viele Gedanken ich in der kurzen Zeit hatte. Denn vorher hätte ich behauptet, dass ich mich natürlich zwei Minuten lang voll und ganz auf eine Sache konzentrieren kann. Was ich aber vor allem beeindruckend fand war, wie klar mein Kopf danach war! Als wäre alles einmal in der kurzen Zeit sortiert worden! Das fand ich einfach interessant und wollte dann mehr darüber erfahren.


Klarheit im Kopf ist wirklich ein gutes Gefühl! Wie ist es dann weitergegangen?

Zuerst habe ich mich privat weiter mit Achtsamkeit beschäftigt und mich dann letztes Jahr zu einem Mindful Leadership-Lehrgang angemeldet. Durch diese Ausbildung kann ich in diesem Bereich bei Bosch jetzt selbst nach und nach mitarbeiten und ihn mitgestalten.


Wie sieht diese Mitarbeit aus?

Ich probiere mich ein wenig als Trainerin aus und da ist Corona tatsächlich eine gute Chance gewesen, weil ich jetzt jede Woche eine Meditationsrunde anbiete. Die hatte ich Anfang des Jahres in Salzgitter gestartet mehr mit dem Ziel, selbst das Anleiten zu üben und weil dann alle ins Homeoffice gingen, war klar, wir ziehen in Skype um und damit gab es die Möglichkeit, dass jeder teilnehmen konnte. Daraus hat sich eine bunt gemischte Runde ergeben, aus diversen Bereichen und Funktionen. Ich gebe dann immer einen kleinen Impuls und eine Meditation und dann tauschen wir uns dazu aus, wie die Erfahrung war.


Jetzt bin ich dabei, einen Schnupperkurs für Interessierte anzubieten, die schon mal von Achtsamkeit gehört haben, aber damit noch nichts so richtig anfangen können. Was ist Achtsamkeit, was bringt das, was macht man da genau... Und dadurch rutsche ich jetzt mit hinein, weil es ganz neue Möglichkeiten gibt. Seit neuestem bin ich Teil der Bosch MindfulnessCrew und darf mein Herzens-Thema bei Bosch verbreiten!


Bosch bietet Achtsamkeit mittlerweile für alle Mitarbeiter an?

Genau! Seit eineinhalb Jahren gibt es das Programm „MindFriends“, ein selbstorganisiertes Lernformat, bei dem man sich über 10 Wochen in einer Peergroup mit dem Thema Mindfulness beschäftigt. Und es gibt viel positive Resonanz dazu. Viele Kollegen haben Interesse an dem Thema, wollen es ausprobieren.


Christiane, in deinem Werk gibt es einen geschützten Raum zum Meditieren. Was sagen deine Mitarbeiter dazu, wenn du dorthin gehst?

Anfangs hat es den einen oder anderen auch mal erstaunt. „Was machst du jetzt?“, oder „Wo gehst du hin?“, wurde ich gefragt, aber überhaupt nichts Negatives. Tatsächlich finde ich es fast überraschend, wie wenig es ein Thema für meine Mitarbeiter ist. Du müsstest sie natürlich selbst fragen, aber ich würde behaupten, dass sie das nicht komisch finden. Es ist eher Interesse, vielleicht auch mal skeptisches Interesse. Aber so kommt man gut ins Gespräch dazu. Mir geht es nicht darum zu überzeugen, zu missionieren, aber ich verheimliche es auch nicht.


Was denkst du, hat Achtsamkeit die Unternehmenskultur bei euch bereits verändert?

Das ist natürlich schwer zu sagen. Bosch ist schon von jeher ein sehr menschenorientiertes Unternehmen. Ich denke, dass man es eher an so Kleinigkeiten merkt, dass Achtsamkeit nach und nach ankommt.


Immer mehr Führungskräfte erzählen davon, dass sie meditieren. Immer mehr Mitarbeiter nehmen an Programmen oder Meditationsrunden teil. Wir starten immer öfter mit einem Check-in, einer kleinen Meditation am Anfang von Besprechungen oder von Workshops, mittlerweile passiert das relativ selbstverständlich. Man merkt es also schon, dass das Thema nach und nach ankommt.


Welche Bedeutung hat Achtsamkeit für dich persönlich?

Achtsamkeit hat bei mir dazu geführt bewusster zu leben und das eigentlich in allen Lebensbereichen. Ich bin viel bewusster darüber, was mir wichtig ist, was nicht so wichtig, wie ich mein Leben gestalten möchte und das in Verbundenheit mit mir selbst, aber auch mit meinem Gegenüber. Also die Beziehungen, das Miteinander verändert sich.


Und meine Selbstreflexion hat sich stark verändert. Vor einiger Zeit hatte ich im Arbeitsleben so ein wenig den Sinn verloren. Meine Abteilung war super organisiert, wir wussten, wo wir hinwollten und auch für mich war klar, dass ich z.B. abgebe und dadurch den Laden unterstütze zu wachsen. Aber für mich persönlich fehlte so ein wenig die Passion. Die Beschäftigung mit Achtsamkeit hat dann dazu geführt, dass ich meine Passion wiedergefunden habe. Also nicht so hinterfragt habe, sondern eher angereichert und so für mich gesehen habe, dass ich auf der Stelle wachsen kann. Achtsamkeit kann da ein toller Anker sein.


Ja, und es ist für mich auch der Schlüssel zur Weiterentwicklung. Es gibt ja immer Veränderungen, auf die man sich einlassen muss, oder man möchte an sich persönlich eine bestimmte Eigenschaft weiter entwickeln, zum Beispiel besser zuhören oder innovativer und kreativer sein. Achtsamkeit gibt einem dann die Möglichkeit, genau an dieser Stelle anzusetzen. Denn durch das Meditieren lernst du, dich selbst zu beobachten und dadurch hast du die Möglichkeit, im Arbeitsalltag zu erkennen, wie du in bestimmten Situationen reagiert. Und das erlaubt dir, dein Verhalten zu verändern!


Diesen Wunsch nach Weiterentwicklung hattest du schon vor deinem ersten Kontakt mit Achtsamkeit, höre ich heraus.

Genau. Ich wusste immer, was ich verändern wollte, doch erst Mindfulness hat mir die Antwort nach dem ,wie´ gegeben. Durch Mindfulness bekommst du die Möglichkeit besser zu reflektieren. Du gehst in diese Beobachterrolle, um überhaupt mitzubekommen, was in bestimmten Situationen von deinen eigenen Denkweisen oder auch Handlungen nun förderlich oder auch nicht förderlich ist. Das finde ich so beeindruckend!


Und gibt es etwas, was du durch Achtsamkeit an dir verbessern konntest?

Ja, sicher. Ich erzähle mal bewusst von einem ganz kleinen Beispiel. Wie gesagt, sind es aus meiner Sicht die kleinen Schritte, die etwas verändern. Ganz am Anfang als Führungskraft hatte ich den Glaubenssatz, ich müsste immer ansprechbar sein. Doch nachdem ich mit dem Meditieren angefangen habe, hat sich das geändert. Denn einmal, auf dem Weg zu einem kritischen Termin, hat mich ein Mitarbeiter angesprochen. Als er anfing, mir sein Anliegen zu schildern habe ich bemerkt, dass ich ihm gar nicht zugehört habe, weil ich gedanklich schon bei meinem Termin war. Dadurch, dass mir das bewusst geworden ist, konnte ich es in der Situation ansprechen. Ich entschuldigte mich und fragte, ob ich später auf ihn zugehen könnte.


Das Krasse war, dass es für ihn total in Ordnung war, er wollte mich einfach nur an dem Tag sprechen. Für mich aber war es tatsächlich ein groβer Schritt, weil ich damit den Glaubenssatz, immer ansprechbar sein zu müssen, durchbrochen habe. Mittlerweile frage ich mich immer, ob ich wirklich in der Lage bin, einer Person meine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Und wenn das nicht der Fall ist, bitte ich darum, dass ich mich später melden darf.


Ein schönes Beispiel! Liegt dir zum Thema Mindfulness noch etwas besonders am Herzen?

Tatsächlich finde ich es total super, dass Mindfulness mittlerweile so im Business ankommt. Ich finde, es gehört dahin, weil wir in so einer schnelllebigen Welt sind, in der sich ganz, ganz viel verändert. Wenn wir uns nur das aktuelle Jahr anschauen, keiner hat wohl damit gerechnet, dass es so verlaufen würde!


Es ist für mich eine Herzensangelegenheit das Thema Mindfulness in der Arbeitswelt gröβer zu machen. Nicht zu missionieren, sondern eher anzudocken, wo es passt, wo das Interesse da ist. Und dass dieser Wunsch da ist, spüre ich immer mehr in unserem Arbeitsalltag.


Christiane, vielen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch!


Christiane Kurz ist Führungskraft einer Controlling-Abteilung bei Bosch. Ihre Leidenschaft ist seit einigen Jahren das Thema Mindfulness. Sie hat es für sich selbst entdeckt und bringt es nun immer mehr im Unternehmen ein.

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